Frau Koritschoner ohne Zähne
Frau Koritschoner spricht kaum, nickt meistens nur. Auch das nicht allzu oft. Wenn sie etwas sagt, dann muss es wichtig sein.
"Wo ist mein Kaffee", bekommt man von ihr nie zu hören.
Der erste große Durchbruch mir gegenüber ereignete sich schon vor gut zwei Monaten. Frau Koritschoner sitzt befriedigt nach dem Essen da. Ich helfe den letzten noch bei diversen Schwierigkeiten mit Fleisch- und Gemüsebrei. Frau Koritschoner schaut normalerweise eher in die Ferne. Diesmal beobachtet sie mich. Ich sitze ganz in der ihrer Nähe, bei Frau Raab, die berüchtigt für ihr "Hallo?" ist. Frau Koritschoner greift auf die Räder ihres Rollstuhls und bewegt sich langsam in meine Richtung. Als sie direkt neben mir sitzt, wartet sie, bis ich mich ihr zuwende.
Plötzlich: "What do you want to talk about?" Ich bin verwirrt, beginne aber einen Dialog mit ihr. "Wie bitte?" - "What do you want to talk äh about?" ... "About your lunch. Did you like it?" - "No." Pause. Sie: "Goodbye. Thank you for talking." Sie rollt langsam wieder zu ihrem Platz zurück.
Heute Nachmittag treffe ich sie beim Spazierenrollen an einem relativ entlegenen Ort der Bettenstation, am Weg hinunter, pfeifend, zu meinem Spint. Beim Vorbeigehen schnipse und gehe ich noch zusätzlich im Rythmus, als kleine Darbietung. Sie ruft mir nach: "Ich verstehe. Aber ich muss mir vorher noch die Zähne [Sie hatte zu dem Zeitpunkt ihr Gebiss nicht im Mund] putzen. Ich kann doch nicht immer wie ein Schwein ins Bett gehen."